Eigenes Genom auf mehr als 300.000 Seiten ausgedruckt: Künstlerin kooperiert mit Saarbrücker Bioinformatiker

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Bioinformatik-Professor der Universität des Saarlandes, Sven Rahmann. Foto: SIC/Philipp Zapf-Schramm


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Die Berliner Künstlerin Alicja Kwade hat für ihre Ausstellung „In Abwesenheit“ ihr persönliches Genom ausdrucken lassen – auf 314.000 DIN A4 Seiten Papier. Dazu arbeitete sie mit Sven Rahmann, Bioinformatik-Professor der Universität des Saarlandes, zusammen. Die Ausstellung kann noch bis zum 4. April in der Berlinischen Galerie besucht werden.

Das menschliche Genom besteht aus 3,1 Milliarden Basenpaaren – eine Zahl, die nur schwer zu erfassen ist. „Auch für uns Bioinformatiker ist das eine abstrakt hohe Zahl, obwohl wir fast täglich mit Gendomdaten arbeiten. Denn uns liegen die Daten in der Regel nur als Dateien auf dem Computer vor“, sagt der Saarbrücker Bioinformatik-Professor Sven Rahmann.

Besser begreifbar werden die Dimensionen des menschlichen Genoms durch ein Projekt der Berliner Künstlerin Alicja Kwade. Sie hat ihr persönliches Genom auf 314.000 DIN A4 Seiten ausdrucken lassen und stellt es öffentlich in ihrer Ausstellung „In Abwesenheit“ in der Berlinischen Galerie aus. 12.000 Seiten wurden an die Wände der Halle gehängt, die restlichen befinden sich in Archivboxen aus Kupfer im Raum verteilt.  Würde man alle Seiten dieses Genom-Dokuments nebeneinanderlegen, erstreckten sie sich über eine Länge von rund 66 Kilometern.

Ein Aspekt des Kunstprojektes war hervorzuheben, welche Teile des Genoms einzigartig für die Künstlerin sind – denn grundsätzlich ist die DNA aller Menschen zu 99,9 Prozent gleich. Hier kamen die Saarbrücker Bioinformatiker ins Spiel: „Die Zusammenarbeit mit Frau Kwade kam über einen gemeinsamen Bekannten zustande, Dr. Frank Tschentscher, Sachverständiger für DNA-Analysen im Landeskriminalamt NRW. Er hat für die Künstlerin die Genomdaten generiert und dann einen geeigneten Experten für die Analyse dieser Daten gesucht. So kam er auf mich, wir haben beide an der Universität Duisburg-Essen geforscht. Mein Beitrag im Kunstprojekt bestand konkret darin, anhand bioinformatischer Analysemethoden die für Alicja Kwade einzigartigen Genom-Abschnitte zu identifizieren und in einem druckfertigen Dokument durch Fettdruck hervorzuheben“, sagt Sven Rahmann. Herausgekommen sind letztendlich mehrere hundert PDF-Dokumente mit jeweils 480 Seiten: „Das war die maximale Länge pro Dokument, die die Druckerei verarbeiten konnte. Auch das mussten wir zuerst durch Testen herausfinden“, sagt Rahmann.

Aber wie druckt man eigentlich ein Genom aus? Professor Sven Rahmann erläutert: „Um die Abfolge der Basenpaare im Genom abzubilden, werden die vier Basen der DNA, also Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin im sogenannten ‚Alphabet des Lebens‘ mit den Buchstaben A, C, G und T codiert. Ein komplettes Genom kann dadurch als eine 3,1 Milliarden Zeichen lange Abfolge dieser Buchstaben wiedergegeben und damit auch ausgedruckt werden.“

Sogar für den Professor, der sich bereits seit knapp 25 Jahren mit bioinformatischen Fragestellungen und speziell der Analyse individueller Genomvarianten befasst, war es etwas Besonderes, an dem Kunstprojekt mitzuwirken. „Meines Wissens nach ist es das erste Mal weltweit, dass ein menschliches Genom in dieser Form physisch ausgedruckt wurde. Dadurch ist es auch für mich auf einer völlig neuen Ebene erfahrbar geworden. Zwischen zwei fettgedruckten Stellen können gut und gerne einige tausend Buchstaben liegen, die für uns alle gleich sind. So plastisch vor sich zu sehen, wie sehr wir Menschen uns unabhängig von der Herkunft untereinander gleichen, transportiert eine starke Botschaft. Das stelle ich mir in der Ausstellung, in der eine ganze Halle mit ‚Genom-Seiten‘ tapeziert ist, besonders beeindruckend vor. Leider konnte ich wegen Corona noch nicht selbst in Berlin vor Ort sein“, sagt der Saarbrücker Bioinformatik-Professor Sven Rahmann.

 

Weitere Informationen:
https://berlinischegalerie.de/ausstellung/alicja-kwade/

https://www.rahmannlab.de/index.html

 

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Sven Rahmann
rahmann@cs.uni-saarland.de
+49 (681) 302-70880

 

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Redaktion:
Philipp Zapf-Schramm
Kompetenzzentrum Informatik Saarland
Saarland Informatics Campus
Telefon: +49 681 302-70741
E-Mail: pzapf@mmci.uni-saarland.de

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Bioinformatik Professor Sven Rahmann lehnt an einem Geländer. en Rahman, Bioinformatik-Professor der Universität des Saarlandes am Zentrum für Bioinformatik. Foto: SIC/Philipp Zapf-Schramm
Bioinformatik Professor Sven Rahmann lehnt an einem Geländer. Sven Rahman, Bioinformatik-Professor der Universität des Saarlandes am Zentrum für Bioinformatik. Foto: SIC/Philipp Zapf-Schramm


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